blau.blond.besser.

»blau.blond.besser.« basiert auf unveröffentlichten Briefen einer jungen Frau an ihren Bruder aus den Jahren 1929 bis 1945. Die junge Krankenschwester Ruth beschreibt ihren Alltag, hält den fernen Bruder über sich auf dem Laufenden, während sich in ihren Schreibfluss langsam politische Ereignisse einfügen. Aus einem vermeintlich privaten Blickwinkel heraus wird der Werdegang und das Wirken Hitlers
plötzlich greifbar. Ruth nähert sich naiv mit hoffnungsvoller Schwärmerei dem politischen Angebot, konsumiert
begeistert die nationalsozialistischen Produkte: Hitlerreden, Fackelumzüge, Kinofilme, Freizeitangebote, die ihr Bedürfnis nach Stärke, Lebensfreude und Kraft erfüllen. Auseinandersetzung findet nicht statt, interessiert sie nicht als Auszubildende, nicht als Werktätige, nicht als Verliebte oder Heiratende, nicht als Mutter.

Sichtbar wird die Banalität einer Zeit, die sonst gerne als Sonderfall in der Geschichte gezeigt wird. Hitler ist die Bezugsperson, über die sich Ruth gesellschaftlich und in der Zeit definiert. Biografie und nationalsozialistische Ideologie überschneiden sich jenseits von Unterdrückung, Terror, Macht.


Das Textmaterial wird umgesetzt als Monolog einer heutigen Figur. Die Ähnlichkeiten des Alltags damals/heute werden somit verdeutlicht, ohne die Zeiten gleichzusetzen. Die Divergenz zwischen Sympathie für die Figur und Antipathie zu ihrer politischen Meinung, macht es erstaunlich schwierig eine Position zu beziehen. Wo fängt Privatleben an, wo hört es auf? Hat das Individuum eine Verantwortung seiner Umwelt gegenüber? Hat unpolitisches Verhalten politische
Konsequenzen?

 

Mit Franziska Olm

Regie: Katarina Eckold
Bühne: Christian Kiehl
Kostüm: Katharina Beth

Eine Produktion von wirsindnichtdiecd und Sophiensaele

04.02.2004 Uraufführung im Foyer der Sophiensaele Berlin.
15.01.2005 100°-Berlin-Festival, Sophiensaele, ausgezeichnet mit dem Publikumspreis







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