Der Disney-Killer

Die Geschwister Presley und Haley Stray leben völlig isoliert in einer verwahrlosten Wohnung. Beide sind voller Angst vor der Welt: Haley verläßt die Wohnung gar nicht; Presley nur, um einkaufen zu gehen. Eines Tages jedoch holt Presley einen Fremden in die Wohnung, den »traumhaften« Cosmo Disney ...
 
»Ich glaube, das macht keinen Unterschied, ob ich gut bin oder nicht. Nicht, wenn im Leben so viel zu Bruch gehen kann. So vieles kann uns ohne unsere Schuld kaputtmachen. Wir können nichts tun, um uns zu retten. Das macht mir Angst.«
Der Disney Killer, Philip Ridley
 


DIE WELT vom 1.Juni 1999:
David und Goliath im East End

Philip Ridleys »Disney Killer« ist ein wunderliches Plädoyer für zwei lebensfremde Kinder. Presley (Götz Lindau) und Haley (Konstanze Hanitzsch) verlassen seit dem Tod ihrer Eltern die Wohnung nur noch zum Einkaufen. Ihre Ängste bekämpfen sie mit Schlaftabletten, ihre Alpträume mit Schokolade. Mut machen sie sich mit Rachefantasien, in denen die ganze Menschheit zu Grunde geht. In diese zerbrechliche Lebenskonstruktion tritt durch einen Zufall Cosmo Disney (Merten Schroedter). Während Haley dank ihrer Schlaftabletten das Ereignis verschläft, wird Presley von dem schönen, erfolgssicheren Mann magisch angezogen. Obwohl er sich bis zuletzt gegen die Manipulation Disneys wehrt, liegt das Aussichtslose von Beginn an über dieser David-und-Goliath-Situation.

Dabei offenbart der einfältige, krummrückige Presley mit den verfaulten Zähnen in seinem hilflosen Wehren mehr und mehr menschliche Substanz, während der Modeltyp Cosmo sich irgendwann als der eigentlich kaputte Behinderte erweist und damit die Schönheit der Hochglanzdruckerzeugnisse ad absurdum führt. Ein überraschender Schluß entläßt den Zuschauer mit reichlich Stoff zum Nachdenken über das Menschsein. Das ist nicht jedermanns Sache, zumal die Inszenierung von Katarina Eckold im JoJo in Mitte einige Längen hat. Dennoch schafft sie es, ein Interesse an den Figuren zu wecken. Das basiert vor allem auf der Darstellung von Hanitzsch und Lindau, die sehr beeindruckend zeigen, welche Tiefe in dieser sonderbaren Mischung von Naivität und Beschränkheit liegen kann. Schroedters Cosmo fehlt ein Stück der nötigen Verführungskraft. Trotzdem – ein anregender Abend. JM

 

Mit Konstanze Hanitzsch, Christoph Keining, Götz Lindau und Merten Schroedter

Regie: Katarina Eckold
Bühne: Julia Rößler
Kostüme: Janina Audick
Produktionsleitung & Licht: Philipp Hochleichter

Premiere am 28.05.1999 im
JoJo / Theater 89
4.–12.6.1999 Studiobühne Mitte






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